Werkzeugwände aus dem Werkstatt-Universum

Das Projekt Garage42 ist im Jahr 2025 ziemlich viel herumgekommen. Zahlreiche offenen Werkstätten in ganz Deutschland standen auf dem Reiseplan. Damit bot sich eine wunderbare Gelegenheit, um Werkzeugwand-Anregungen für die Pilot-Garage42 zu sammeln.

Die Werkstatt-Expedition begann im Sommer – es ging nach Augsburg zum Sommercamp des Verbunds Offener Werkstätten. Bei einer Radtour durch Augsburg wurde auch die Werkstatt des Bikekitchen Augsburg besucht, wo es eine wunderbare Werkzeugwand mit Fahrradwerkzeug zu sehen gab.

Zwischendurch war eine kleine Verschnaufpause nötig: Urlaub in Berlin. Doch wenn man schon mal in Berlin ist, dann kann man sich gleich mal den xHain hack+makespace anschauen – inklusive einer Werkzeugwand im Keller.

Werkzeugwand im xHain in Berlin

Weiter ging die Reise zum Seminar „Maschineneinweisung“ nach Düsseldorf. Im GarageLab gab es gleich mehrere bildschöne Werkzeugwände zu sehen: eine in der Fahrradwerkstatt und eine weitere riesige Wand in der Holzwerkstatt.

Werkzeugwand in der Fahrradwerkstatt des GarageLab e.V.
Holzwerkstatt im GarageLab mit großer Werkzeugwand (Bauart “French Cleat“)
Teil 2 der Werkzeugwand in der Holzwerkstatt des GarageLab.

Die nächste Reise zum Seminar „Arbeitssicherheit“ führte in den Makerspace Darmstadt. Dort gab es zwei schöne Werkzeugwände der Bauart „Lochwand“ zu sehen.

Lochwand-Werkzeugwand in der Holzwerkstatt des Makerspace Darmstadt
Teil 2 der Lochwand-Werkzeugwand

Die letzte Reise des Jahres führte dann zu Tinkertank nach Ludwigsburg zum Wintercamp des Verbunds offener Werkstätten. Dort gab es nicht nur eine Werkzeugwand zu sehen, sondern auch noch ein cleveres fahrbares und kippbares Werkzeug-Aufbewahrungsregal.

Werkzeugwand bei Tinkertank
Fahrbare Werkzeugregale bei Tinkertank ….
… die man durch Kippen in einen breiten Tisch mit Werkzeugbehältern verwandeln kann.

Und wenn man schon mal in Ludwigsburg ist, dann sollte man unbedingt auch noch einen Abstecher zum Hobbyhimmel in Stuttgart Feuerbach machen. Denn wie der Werkstatt-Fan weiß, ist im Hobbyhimmel die geballte Kompetenz zum Thema Werkstatt-Ordnung versammelt. Schließlich ist der Hobbyhimmel die Geburtsstätte des Open Source Ordnungssystem osSso.

Schon beim Betreten der Hobbyhimmel-Werkstatt staunt man nicht schlecht über den gigantischen Thekenbereich und dessen wohlsortierte Ordnung. Die ThekenheldInnen verbringen hier keine Zeit mit Suchen – hier hat alles seinen Platz.

Die wohlsortierte Hobbyhimmel-Theke.

An mehreren Stellen im Hobbyhimmel findet man osCLEAN – das Ordnungssystem für Putz- und Reinigungswände. Bei so schön designter Systematik macht sogar das Putzen Spaß!

Eine osCLEAN Wand – wer genau hinsieht enteckt auch einen osVAC-Universal-Staubsaugeradapter

Schließlich noch eine Zwingen-Wand, die man in solcher Größe auch nicht in jeder Werkstatt zu sehen bekommt.

Hier findet man Zwingen für jedes Projekt.

Die Werkstatt-Reise quer durch Deutschland hat sich also gelohnt: es gab reichlich Anregungen, wie gut gemachte Werkzeugwände aussehen können. Für die Garage42 Pilot-Garage bleibt nun die Qual der Wahl: welches System ist am Besten geeignet?

Zu Besuch im Teamwerk in Aschheim

In Aschheim bei München gibt es schon seit einer Weile die offene Werkstatt „Teamwerk“, die ursprünglich in einer Garage gestartet ist. Im Oktober 2025 steht die offizielle Eröffnung der Werkstatt in neuen Räumen an. Garage42 war vor der Eröffnung schon vor Ort um sich das Teamwerk genauer anzusehen.

Die Anreise aus München zum Teamwerk in Aschheim gestaltet sich auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln erstaunlich einfach: per U-Bahn zur Messestadt West, und von dort weiter mit dem Bus nach Aschheim.

Für den Münchner ist die Busreise eine interessante Erfahrung – recht schnell wird das Umfeld ländlicher, und spätestens in der Ortsmitte Aschheim mit den schönen Bauernhöfen, Gasthäusern und einer Brennerei fühlt man sich „aufs Land“ versetzt.

Ortsmitte von Aschheim

Der kurze Fußmarsch zur Teamwerk Werkstatt führt vorbei an weiteren großzügig dimensionierten Wohnhäusern. Irgendwann wähnt man sich in einem Wohnviertel und fragt sich, wo man denn hier eine Werkstatt unterbringen soll. In der Zufahrt zum Teamwerk weitere Wohnhäuser mit ländlichem Flair und Fuhrpark.

Gegenüber vom Teamwerk: der Traktor gehört hier zum üblichen Fuhrpark.

Doch da ist auch schon das Teamwerk: im hinteren Teil eines Wohngebäudes im Erdgeschoss geht es hinein in die Werkstatt.

Die Teamwerk-Werkstatt im Erdgeschoss eines Wohnhauses.

Ich werde am Eingang von Basti begrüßt, der gerade auf eine Holzlieferung wartet. Basti führt mich durch die Räume und gibt mir einen Überblick was das Teamwerk so zu bieten hat.

Basti begrüßt mich in den Räumen des Teamwerks

Im Vorraum wird gerade noch an der Einrichtung und an den Lagerboxen gearbeitet. Hier sollen die Besucher in gemütlicher Atmosphäre einen ersten Einblick in die Werkstatt bekommen. Große Tische bieten reichlich Platz zum Tüfteln. Durch eine Fensterfront bekommt man schon erste Einblicke in die Werkstatt im hinteren Bereich. Eine Schiebetür trennt den Vorraum von der Werkstatt.

Basti erzählt mir wie sich die Werkstatt entwickelt hat (hierzu auch mehr auf der Teamwerk Webpage), und dass in den Räumlichkeiten früher ein vollausgestattete Schreinerei beheimatet war.

Die Teamwerk Werkstatt mit allem was das Maker-Herz begehrt …

Aus dem Bestand der Schreinerei konnte das Teamwerk einige Maschinen übernehmen: darunter ein Dickenhobel und eine etwas exotische 3-Spindel-Bohrmaschine – die ich so bisher noch in keiner offenen Werkstatt gesehen habe.

Die Maschinen im Werkstattraum: links hinten der Dickenhobel, rechts eine 3-Spindel-Bohrmaschine

Wir plaudern über die typischen Werkstatt-Benutzer, über das Kursangebot und über zukünftige Pläne. Dabei erfahre ich, dass künftig auch eine Shaper Origin Fräse für die Werkstatt beschafft werden soll. Hier könnten sich also noch Gemeinsamkeiten mit den Aktivitäten bei Garage42 ergeben.

Am Ende der Tour gewährt mir Basti noch einen Blick in den Keller der Werkstatt: hier lagern weitere Relikte aus der Schreinerwerkstatt-Zeit, sowie Unmengen an Material, das sicherlich noch Verwendung in so manchem Projekt finden wird.

Nach der ausführlichen Werkstatt-Tour im Teamwerk trete ich die Heimreise an. Wieder habe ich einen inspirierenden Ort im Großraum München kennengelernt, und ich werde sicher mal wieder vorbeischauen!

Garage42 macht Urlaub in Berlin (1): Besuch im Haus der Materialisierung

Garage42 macht Urlaub in Berlin und begibt sich dabei auf die Suche nach Inspirationen. In Urlaubs-Episode 1 besuchen wir das „Haus der Materialisierung“ und sehen dabei Materialinitiativen, eine ReUse-Holzwerkstatt und eine Plattform für Leihen und Schenken.

Eingang zum „OTTO“ am „Haus der Materialisierung“ hinter dem „Haus der Statistik“

Bei Garage42 wurde es Zeit für etwas Erholung und Tapetenwechsel. Der Urlaubsort sollte Berlin sein, weil Berlin immer wieder eine Reise wert ist, und weil sich die Hauptstadt ohnehin permanent ändert, so dass man dort alle paar Jahre mal vorbeischauen sollte.

Und so steht man dann am Alexanderplatz, lässt den Blick schweifen, und bleibt dann am Schriftzug „Allesandersplatz“ am „Haus der Statistik“ hängen.

Alles wird anders im „Haus der Statistik“ am Alexanderplatz

Plakate am Bauzaun klären dann den Passanten über das Modellprojekt „Haus der Statistik“ auf. Dabei typisch für die Berliner Dynamik: die Illustration auf dem Plakat wurde bereits vom Projektfortschritt überholt. Das „Haus der Materialisierung“ steht inzwischen leer, und die Initiativen sind allesamt ins „OTTO“ in der Otto-Braun-Straße umgezogen.

Bauzaun-Plakat mit Details zum Modellprojekt „Haus der Statistik“

Aber was ist jetzt dieses Modellprojekt „Haus der Statistik“, das „Haus der Materialisierung“ und das „OTTO“? Eine Führung mit Nikolai Wolfert von Cosum verschafft Klarheit.

Eingang zum Gebrauchtmaterial-Markt „Kunst-Stoffe“

Wir starten bei der Material-Initiative „Kunst-Stoffe“ – ein Gebrauchtmaterial-Markt, von dem es eine weitere Filiale im Stadtteil Pankow gibt. Die Auswahl ist beachtlich – wir lassen die Blicke schweifen und sehen alles was das Bastlerherz begehrt: gebrauchte Kanthölzer, Holzplatten, Latten, Balken, Metalle, Eisenwaren, Textilien, Folien, Kunststoffe, …

Einblick in das Materialangebot bei „Kunst-Stoffe“

Die Tour geht weiter: wir kommen an einer offenen Textilwerkstatt vorbei in der gerade fleißig genäht wird und treffen schließlich auf die Initiative „BAUFACHFRAU Berlin e.V.“.

Eingang zur BAUFACHFRAU-Werkstatt

BAUFACHFRAU ist ein Qualifizierungs- und Bildungsträger für Frauen in Bau- und Ausbauberufen. Im Haus der Materialisierung betreibt BAUFACHFRAU eine ReUse-Holzwerkstatt, in der aus dem Gebraucht-Material von „Kunst-Stoffe“ nachhaltige Möbel entstehen können.

Als wir mit unserer Führung vorbeikommen wird gerade in der Werkstatt ein Benutzer in die Bedienung einer Oberfräse eingewiesen. Hier bekommt man also auch noch die nötige fachkundige Unterstützung für eigene Möbelprojekte.

Die ReUse-Holzwerkstatt bei BAUFACHFRAU

An dieser Stelle macht es bei mir „klick“ im Kopf: hier im Haus der Materialisierung konzentrieren sich an einem Platz wirklich alle Initiativen die für die Entstehung von nachhaltigen Produkten nötig sind – was für ein besonderer Ort!

Zum Abschluss der Rundtour stellt uns Nikolai noch seine eigenen Initiative Cosum vor: Cosum bietet eine Online-Platform für nachhaltiges Leihen und Schenken. Hier kann man sich zum Beispiel Werkzeuge, aber auch viele andere Produkte ausleihen.
Die Abholung erfolgt unkompliziert über Schließfächer im „Haus der Materialisierung“, die von Nikolai befüllt werden.

Damit endet die Tour im „Haus der Materialisierung“ und wir sind recht begeistert von dem was wir gesehen haben! Ein echtes Vorbild dem man auch in München und in anderen Städten nacheifern sollte. Unser Fazit: am Alexanderplatz im Haus der Statistik wird wirklich alles anders – der Schriftzug auf dem Haus ist nicht übertrieben!

Berlin, wir kommen wieder!

Erste Workshops in der Pilot-Garage

Die Workshops in Nachbarschaft München/Solln gehen weiter! Weitere Nachbarn sammelten gleich nebenan beim Garagen-Fräsen-Kurs erste Fräs-Erfahrungen.

Frühling in der Pilot-Garage München/Solln

Nach der Garagen-Workshop Premiere bei noch frostigen Temperaturen, starteten die nächsten Fräsen-Workshops nun bei frühlingshaften Temperaturen. Einige Nachbarn aus der unmittelbaren Umgebung waren der Einladung zum Fräsen in die Garage gerne gefolgt.

Viele der Nachbarn haben zwar bereits eigene kleine „Privat-Werkstätten“ im Keller oder im Gartenhaus, aber digitales Fräswerkzeug ist in solchen Werkstätten eher selten zu finden. Dementsprechend groß war das Interesse an der digitalen Technik, und schnell stellte sich dabei auch heraus, dass miteinander Handwerken mit anderen Hobbybastlern auch viel mehr Spaß macht.

Ein Nachbar beim erstmaligen Fräsen mit einer digitalen Fräse

Und so machten sich die Nachbarn zunächst mit der ungewohnten Fräse vertraut und produzierten dabei erste hochpräzise Fräs-Ergebnisse.

Konzentriertes Fräsen

Durch das Fräsen waren die Nachbarn schnell inspiriert und diskutierten welche Projekte man mit so einer Fräse wohl umsetzen könnte. Anhand von Anschauungsbeispielen wurden die Fräsmöglichkeiten mit Plattenware und Kanthölzern besprochen.

Erinnerungs-Fotos vom ersten Fräsen

Nach der zweistündigen Fräsen-Einführung waren sich dann alle Teilnehmer einig, dass es unbedingt wieder einen Fräsen-Termin in der Nachbarschafts-Garage braucht, um weitere Projekte auszuprobieren.

Garagen-Workshop Premiere

Das Jahr 2025 startet mit einer Premiere: in der Nachbarschaft München/Solln fand der erste Garagen-Workshop statt! Mit von der Partie waren zwei unerschrockene Versuchs-Teilnehmer aus dem FabLab München, die schon immer mal an einem Garagen-Fräsen-Kurs teilnehmen wollten.

Die Garage42 Pilot-Garage kurz vor dem Workshop

Es war ja eine Weile recht ruhig hier im Garage42 Blog. Nicht etwa weil nichts passiert wäre, sondern weil sich im Hintergrund unglaublich viel getan hat. Und wenn sich viel tut, dann fallen Tätigkeiten wie bloggen gerne mal hinten runter. Aber Ehrenwort: der Bericht über die Geschehnisse der letzten Monate wird demnächst noch in umgekehrter chronologischer Reihenfolge nachgereicht.

Für den Moment nur so viel:

  • zuerst hat sich bei der finanziellen Ausstattung von Garage42 was getan
  • deswegen hat sich kurz danach bei der Werkzeug-Ausstattung was getan
  • was dazu führte, dass wegen des Werkzeugs auch viel für die Garagen-Ausstattung getan werden konnte
  • so dass letztendlich ein erster Garagen-Workshop möglich wurde

Und so wurde dann zügig die Garage für den Workshop vorbereitet, ein Termin identifiziert, ein Ticket-Shop eingerichtet und ein Test-Publikum aus dem FabLab München eingeladen. Und so sehen die beiden Test-Teilnehmer dann aus:

Die Teilnehmer des ersten Garagen-Workshops

Da der März dieses Jahr noch relativ frostig war, fand der Theorie-Teil des Workshops noch in der Küche neben der Garage42-Werkstatt statt. Dort gab es zunächst eine kurze Einführung zum Thema „fräsen mit der Oberfräse“, bevor es dann um das Hauptthema ging: „CNC-Fräsen mit der Shaper Origin“.

Fräsen-Grundlagen am Küchentisch erklärt

Für den Praxis-Teil zog der Workshop dann nach nebenan in die Garage um, wo die beiden Teilnehmer selbst Hand an die Fräse anlegen durften. Die frischen Temperaturen spielten dabei keine größere Rolle, weil es den Teilnehmern beim konzentrierten Fräsen schnell warm wurde.

Fräsen-Praxis in der Garage42 Pilot-Garage
Fräsen-Praxis in der Garage42 Pilot-Garage

Nach zwei Stunden Workshop hatten dann alle Teilnehmer ihr Erstlingswerk gefräst, und der Workshop-Schauplatz „Garage“ hatte seine Premiere mit Bravour bestanden.

Unser Fazit: Fräsen-Theorie am Küchentisch lernen? Mal was neues!
Erste Fräsen-Praxis in der Garage? Muss man mal erlebt haben!
Der nächste Garagen-Workshop kann also kommen!


24 Module Holz im Praxistest: der Kompaktarbeitsplatz

Das erste „24 Module Holz“ ist unlängst fertig geworden.
Im Praxistest zünden wir jetzt die nächste Stufe und prüfen,
ob das „24 Module“ auch als kompakter Arbeitsplatz taugt
um weitere Möbel zu fräsen.

Kürzlich habe ich über die Fertigstellung des „24 Module Holz“ berichtet. Heute gehen wir den nächsten Schritt und sehen uns genauer an, ob das „24 Module“ auch tatsächlich als Arbeitsplatz für die Garagenwerkstatt taugt.

Man könnte schon seine Zweifel haben, wenn man diesen kompakten Holzwürfel mit seinen 60 cm Kantenlänge so sieht.

  • Sitzt man da nicht arg tief?
  • Steht das „24 Module“ beim Arbeiten stabil?
  • Kann man wirklich auf einer so kleinen Tischfläche vernünftig arbeiten?

Aber wir wollen nicht lange herumrätseln – ich probiere es einfach aus.
Im ersten Schritt teste ich, wie das „24 Module“ mit der Shaper Workstation harmoniert.

Die Grundplatte der Workstation passt genau auf das „24 Module“ – rechts und links von der Workstation Grundplatte bleibt auf dem Arbeitstisch sogar noch etwas Platz, so dass beim Arbeiten das Fräsen-Werkzeug (T-Schlüssel, Gabelschlüssel, Fräser) gut abgelegt werden kann.

24 Module mit montierter Shaper Workstation und Shaper Origin

Die Grundplatte ist schnell mit zwei Einhandzwingen an der Arbeitsplatte fixiert. Beide Zwingen finden dabei ihren perfekten Platz zum Festspannen an der Unterseite. Die Mutter der Verschraubung des „24 Module“ ist dabei nicht im Weg.

Perfekt passende Fixierungspunkte für die Zwingen

Im zweiten Schritt montiere ich noch Frontplatte, Stützarme und Stützleiste der Workstation. Damit ist der Arbeitsplatz vorbereitet, und die Fräse kann abgestellt werden. Das „24 Module“ steht dabei bombenfest auf dem Untergrund – nichts wackelt.

Im Inneren des „24 Module“ findet jetzt noch wunderbar der Bodenstaubsauger Platz den wir beim Fräsen für die Absaugung der Holzspäne brauchen. Damit ist der Arbeitsplatz komplett und es kann mit dem Fräsen begonnen werden.

Wir machen zum Start gleich einen Extremtest: wie viel bzw. wie wenig Platz braucht es, um einen Fräs-Arbeitsplatz mit dem „24 Module“ aufzubauen? Reicht zum Beispiel die Fläche eines kleinen Balkons mit – sagen wir mal 1 Meter auf 2,20 Meter?

Zufällig habe ich gerade so einen Balkon griffbereit und bauen alles auf. Als Sitzmöbel wähle ich einen Badezimmer-Hocker, nehme Platz und fräsen kurze Zeit später schon los, so dass die Holzfasern nur so herumwirbeln.

Ein Balkon-Kompaktarbeitsplatz auf weniger als 2 Quadratmeter

Ich fräse einige Beispiel-Werkstücke für meinen nächsten Workshop und merke schnell: das funktioniert alles wunderbar- der Praxistest mit „24 Module“ ist bestanden!

Freiluftfräsen auf dem Balkon

Eine Weile sitze ich noch an meinem neuen Fräs-Arbeitsplatz auf dem Balkon und denke an Ken Isaacs – den Designer des „24 Module“. Hätte er es für möglich gehalten, dass ich heute hier auf meinem Balkon mit einer computergesteuerten Fräse sitze, ein „24 Module“ als Arbeitstisch benutze und damit in Windeseile die Bauteile für weitere „24 Module“ herstellen könnte?

Er hätte es wohl damals (1974) nicht für möglich gehalten, aber ich denke es würde ihm gefallen. Oder um es mit seinen eigenen Worten aus diesem Video auszudrücken:

„It sounds Olympian but the real worth of that stuff is some young person picking up on it and causing them to do something … but not that thing … it can be something else and that’s what important to me.“

Ken Isaacs, Youtube Video, „Dwell Design Leader: Ken Isaacs“ (3:45)

Mission accomplished Mr. Isaacs: ich bin zwar kein junger Mensch, der die Idee von „Living Structures“ aufgreift, aber ich denke wir sollten wirklich zusammen viele neue Dinge aus Ihre Design-Ideen machen!

Machen sie doch mit – in ihrer Nachbarschaftswerkstatt.

Zu Besuch in der machBar im Würmtal

Seit Ende Juli 2023 gibt es eine neue Offene Werkstatt im Münchner Westen: die machBar. Das Konzept und das Angebot der machBar lasen sich auf der Webpage sehr interessant – Grund genug um dem machBar Team einen Besuch abzustatten!

Schild machBar
machBar in der Alten Brauakademie

Meine Anreise zur machBar ist nicht lang. Ich verlasse die S-Bahn an der Haltestelle Gräfelfing – ein Ort, an den man als Innenstadt-Münchner nicht so oft kommt. Ich marschiere einige Minuten durch den Ort und bin schnell an der Stefanusstraße angelangt.


Über eine Treppe im Hinterhof geht es hinunter zu den Werkstatträumen der machBar.

machBar Eingang
Treppe zum machBar Eingang

Ich werde schon erwartet von Torsten, der einer der Vorstände der machBar ist. Trotz Urlaubszeit haben sich auch viele Mitglieder zum machBar-Stammtisch eingefunden.

Wir stellen uns einander vor, und dann geht es mit einer kleinen Tour durch die Werkstatträume los. Torsten zeigt mir die einzelnen Werkstätten und erzählt mir über die Aktivitäten der letzten Jahre.

machBar Holzwerkstatt
machBar Holzwerkstatt

Ich erfahre, dass die Raumsuche eine der größten Herausforderungen war, gefolgt von der Frage der Finanzierung mit Fördermitteln.

machBar Metallwerkstatt
machBar Metallwerkstatt

Aber offenbar ist es dem machBar Team gelungen all diese Herausforderungen zu meistern – schließlich gibt es jetzt großzügige Räumlichkeiten und eine reichhaltige Ausstattung mit Maschinen und Werkzeugen.

machBar Hauptraum
machBar Hauptraum

Nach unserer Werkstatt-Tour gibt es eine Überraschung: Mitglied Johannes hat eine Shaper Origin mitgebracht und gibt eine Einführung in die Handhabung und die Möglichkeiten der Fräse.

Was für ein Zufall – meine Mission ist die Suche nach anderen Makern, die sich mit dem Fräsen von Möbeln befassen wollen, und dann finde ich hier in der machBar bereits aktive Fräs-Enthusiasten!

Nach der Fräs-Vorführung tauschen wir uns noch eine ganze Weile über Workshop-Formate und Öffentlichkeitsarbeit aus. Am Ende kommen wir zu einem wichtigen Thema: wie könnte eine Zusammenarbeit der machBar mit dem Projekt Garage42 aussehen? Haben wir Berührungspunkte? Wo könnten wir uns ergänzen?

machBar Mitglieder
Torsten, Johannes und eine Shaper Origin

Nach einigen unterhaltsamen Stunden verabschieden wir uns, und beschließen, dass wir sicherlich in Kontakt bleiben und bald wieder voneinander hören werden. Mein Fazit: es war ein lohnender Besuch, und ich habe wieder einige nette Maker aus dem Großraum München kennengelernt.

Die Garage42 Werkstatt-Blaupause

Beim Projekt Garage42 soll in jeder Münchner Nachbarschaft eine nachhaltige Werkstatt entstehen. Eines der Ziele ist dabei, eine Blaupause für Nachbarschafts-Werkstätten zu erstellen. Mit so einer Blaupause können neue Werkstätten mit sinnvoller Grundausstattung zügig eingerichtet werden.
Gibt es schon so eine Werkstatt-Blaupause, wie sieht sie aus, und wo kann man sie bekommen?

Im Artikel „Wie alles begann und warum überhaupt“ hatte ich schon kurz über meine Garage berichtet. Der interessierte Leser fragt sich jetzt natürlich:
Was ist denn jetzt mit der Garage?
Passiert da was?
Gibt’s schon was zu sehen?

Die Antwort lautet: ja natürlich – es tut sich was in der Pilot-Garage,
und dieser Artikel soll einen Eindruck vermitteln was bisher in der Garage passiert ist.

Mit der Pilot-Garage habe ich bisher immer gleich zwei Ziele verfolgt:
Erstens will ich die Pilot-Garage für die nächsten Fräsen-Workshops nutzen.
Zweitens soll meine Garage auch der erste Prototyp für eine Nachbarschafts-Werkstatt werden.

Daher habe ich die Garage zunächst mit allem ausgestattet, was man für den Workshop braucht. Gleichzeitig habe ich aber auch die Garagen-Einrichtung dokumentiert, so dass als Ergebnis eine Werkstatt-Blaupause entstanden ist.

Blaupause für eine Nachbarschafts-Werkstatt

Durch meine ersten Workshops hatte ich bereits gelernt, dass ich folgende Minimal-Ausstattung für die Werkstatt brauche:

  • Werkbank / Tisch zum Fräsen
  • Staubsauger mit Zyklonabscheider
  • gute Beleuchtung
  • Stromanschlüsse für Fräse und Staubsauger
  • Ablagefläche für Kursmaterial
  • Sitzgelegenheiten
  • minimale Ausstattung mit Werkzeug, Verbrauchsmaterial und Schutzausrüstung
    (Zwingen, Fräser, Schleifpapier, Schutzbrille, Gehörschutz, …)

Das absolute Minimal-Inventar für so eine Nachbarschafts-Werkstatt ist also ein Tisch, sowie Ablageflächen und einige Sitzgelegenheiten.

Für den Tisch gibt es keine Musterlösung, die für jede Werkstatt funktionieren würde – ich gehe davon aus, dass sich für jede Werkstatt irgendwie ein Tisch finden lassen wird. In meinem Fall war es ein alter Schreibtisch, der sogar einige Schubladen hatte. Nicht dass die Schubladen wichtig gewesen wären, aber sie geben dem Tisch ein gewisses Gewicht, so dass er sicher steht.

Meine Werkbank: ein alter Schreibtisch

Der Tisch muss für die Fräsen-Workshops eine Mindestgröße haben. Nicht nur das Material muss auf den Tisch passen, sondern auch die Fixierung des Materials, und die „Randstreifen“ auf denen die Fräse übers Material gleitet.

Fräs-Arbeitsplatz mit Material und „Randstreifen“ rechts und links

Die Arbeitsfläche meines Schreibtischs war zunächst noch zu schmal, so dass ich eine größere Platte befestigen musste.

Tisch mit größerer Platte (hier mit aufgeklebten Opferplatten aus MDF)

Bei den Sitzgelegenheiten und Ablageflächen haben mich die minimalen Möbel von OpenStructures bzw. Ken Isaacs sehr inspiriert. Mir erschien deshalb das 24 Module als ein idealer Startpunkt für das Inventar einer Nachbarschafts-Werkstatt.

24 Module aus Metall

Das 24 Module kann einzeln als Sitzgelegenheit oder gestapelt als Tisch verwendet werden. Das 24 Module ist dabei so simpel konstruiert, dass es auch ohne High-Tech Werkzeug, und mit Material aus dem Baumarkt hergestellt werden kann. Gleichzeitig ist das 24 Module zerlegbar, so dass es bei Bedarf auch vergrößert oder verlängert werden kann – damit kann es mit den Bedürfnissen der Werkstatt mitwachsen.

Soll das 24 Module bereits in der Garage hergestellt werden, so braucht man
als Grundausstattung nur einfache Werkzeuge wie Schraubstock, Bohrmaschine und Säge.

Damit hätten wir das wichtigste Inventar, so dass der Raumplan für die Garage42 etwa so aussieht:

Beispiel-Raumplan für eine Garage42 Werkstatt

Zu einer Blaupause für eine Nachbarschaftswerkstatt gehört aber nicht nur der Raumplan wie der obige, sondern auch eine Werkzeugliste. All diese Informationen sind ab sofort hier im GitHub-Projekt Garage42 zu finden.

Nutzung und Weiterentwicklung von Garagen

Mit dieser minimalen Garagen-Ausstattung kann bereits der erste Fräsen-Workshop veranstaltet werden. Die Fräse muss beim ersten Workshop noch „zu Besuch kommen“ , d.h. sie wird vom Kursleiter mitgebracht.

Wie so eine Garagenwerkstatt genutzt und weiterentwickelt wird, liegt dann in der Hand der Nachbarn. Die nötigen Werkzeuge und das erforderliche Inventar hängen stark davon ab was die Nachbarn in ihrer Garage produzieren wollen.

Auch für die Weiterentwicklung der Werkstatt liefert das Projekt Garage42 hilfreiche Informationen: für jedes Möbelprojekt wird auch die Liste der nötigen Werkzeuge dokumentiert. Ein schönes Beispiel dafür ist die Dokumentation zum Möbelprojekt „Ulmer Hocker “ im GitHub-Projekt Garage42.

Die Projektbeschreibung zum „Ulmer Hocker“ besteht nicht nur aus der Bauanleitung, sondern auch aus einer Stückliste und einer Werkzeugliste.

Anhand der Werkzeugliste kann schnell geprüft werden, welche Möbel in einer Garagenwerkstatt gebaut werden können, und welche Werkzeuge eventuell noch für neue Möbelprojekte angeschafft werden müssen.

Die Idee einer Referenz-Garage, die nach einer Werkstatt-Blaupause gestaltet ist, bringt also diverse Vorteile. Durch die Dokumentation des Inventars können neue Werkstätten schnell und systematisch eingerichtet werden. Die Beschreibung der Möbelprojekte mit allen benötigten Werkzeugen schafft dabei Klarheit über fehlendes Werkstatt-Inventar.

Zuletzt noch ein Ausblick: dokumentiert man die Ausstattung aller Nachbarschafts-Werkstätten, so kann man mit Hilfe dieser Daten auch eine „Landkarte“ erzeugen, die zeigt welche Möbelprojekte in welchen Werkstätten möglich sind. Aber dazu später mehr….

Nachbarschafts Fräsen-Workshop die Zweite

Am 25. Februar 2023 fand ein zweiter Fräsen-Workshop in der Nachbarschafts-Werkstatt in der Münchner Au statt. Die Nachbarn waren wieder begeistert und mit viel Spaß bei der Sache.

Und wieder rollere ich mit der Fräse durch die Au – diesmal ist es ein kalter, aber sonniger Februartag – zum Glück ohne Schnee, denn ich besitze keinen Transportschlitten für das Workshop-Zubehör.

Auch dieses mal werde ich schon in der Nachbarschafts-Werkstatt in der der Au erwartet – inzwischen kennt man sich ja schon vom ersten Workshop. Die Vorbereitung des Workshops geht mir diesmal schnell von der Hand – man könnte es schon fast Routine nennen.

Und schon treffen die ersten Nachbarn ein. Die Teilnehmerrunde ist wieder bunt gemischt: neben zwei Nachbarn ohne Fräs-Erfahrung sind heute auch zwei Küchenbauprofis zu Gast, die allerdings noch nicht mit einer CNC-Oberfräse gearbeitet haben.

Wir starten mit der allgemeinen Einführung ins Oberfräsen, machen uns dann mit der „Magie“ der Shaper Origin vertraut und gehen schließlich miteinander die Schritte zum Vorbereiten des Fräsens durch.

Dann geht es ans Fräsen – Freiwillige vor! Alle sind etwas zögerlich, doch mutig ergreift die erste Nachbarin die Initiative. Nach kurzer Eingewöhnung scheint das fräsen sichtlich Spaß zu machen, und die beiden Küchenbauer warten etwas hibbelig auf ihren ersten Fräseinsatz.

Alle haben viel Spaß beim Fräsen – sogar die Zuschauer

Nach zwei Stunden Theorie und Praxis mit der Oberfräse sind wie schon beim ersten Workshop alle begeistert: von der Fräse, von den Möglichkeiten, und von den eigenen Fähigkeiten.

Insgesamt war es also wieder ein gut gelungener Kurs, und nun grübeln schon alle, was das erste „echte Möbelprojekt“ mit der Shaper Origin sein könnte.

Nachbarschafts Fräsen-Workshop Premiere

Am 4. Februar 2023 fand der erste Fräsen-Workshop in der Nachbarschafts-Werkstatt in der Münchner Au statt. Für eine Workshop-Premiere lief alles erstaunlich rund – mit nur einer kleinen Panne. Doch sogar die Panne war für alle lehrreich.

Gemeinsames Fräsen in der Nachbarschaftswerkstatt in der Münchner Au

Endlich ist es soweit: der Workshop „Nachbarn fräsen Nebenan“ rollert auf meinem Trolley durch schöne Münchner Au! Nach dem Schauplatz des Workshops brauche ich nicht lange zu suchen – die erste Workshop-Werkstatt ist gleich bei mir ums Eck. Ich klingle, die Tür geht auf, und ich rollere ratternd mit meinem Workshop-Trolley über die schönen historische Bodenfliesen zum Hinterhof.

Im Hinterhof sehe ich schon die zwei schönen großen Gemeinschaftsräume – einer davon wird der Schauplatz des ersten Nachbarschafts-Fräsen-Workshops sein. Zwei Nachbarn stehen schon erwartungsvoll bereit und unterstützen mich beim Aufbau.

Dann geht es auch schon los: wir sind eine Runde von fünf Hobbybastlern – mich mitgezählt – jeder mit etwas unterschiedlichem Bastler-Hintergrund. Da gibt es zwei Heimwerk-Profis mit reichlich Werkzeugerfahrung, aber auch zwei Teilnehmer mit keinerlei Fräs-Erfahrung. Gut für mich, denn so kann ich gleich herausfinden, ob der Workshop auch für ungeübte Bastler funktioniert.

Wir besprechen zunächst die Schwierigkeiten beim traditionellen fräsen mit der Oberfräse, aber ich merke schon: alle sind gespannt auf die Shaper Origin Fräse. Kurz erkläre ich „die Magie“ der Fräse, bevor wir uns die Maschine dann in Aktion ansehen: im „Aircut“-Modus können die Kursteilnehmer das Funktionsprinzip der Shaper Origin Fräse gut beobachten.

Kleinere Probleme beim Fräsen des letzten Bauteils

Bevor wir jedoch den Praktischen Teil des Kurses starten, vermittle ich noch kurz die „Fräs-Etikette“, gefolgt von den obligatorische Sicherheits-Einweisung. Doch dann geht es auch schon los! Gehörschutz und Schutzbrille angelegt, Staubsauger an- und Fräse eingeschaltet, und schon fräst der erste Nachbar ein Teilstück eines kleinen Werkzeugkastens.

Besonderen Spaß macht den Teilnehmern offensichtlich der „Auto-Modus“ der Fräse. Wenn sich die Spindel wie von Geisterhand von selbst bewegt, dann zaubert das jedem der Kursteilnehmer ein Lächeln ins Gesicht. Tja, Hobbybastler lieben halt cooles Werkzeug…

So wird zügig ein Bauteil nach dem anderen gefräst … doch plötzlich … was ist das? Die Fräse ruckelt! Warum funktioniert die Magie nicht mehr?

Schnell ist das Problem gefunden: wir haben die Teile nicht der Reihe nach von unten nach oben gefräst. Daher haben wir uns die Shapertape-Klebestreifen kaputt gefräst, wodurch sich die Fräse nicht mehr orientieren konnte.

Durch zwei Shapertape-Klebestreifen ist das Problem schnell behoben. Dabei wird den Kursteilnehmern auch nochmal klarer, wie sich die Fräse auf dem Material orientiert.

Und so halten am Ende des Workshops die Teilnehmer stolz ihren ersten selbst gefrästen Werkzeugkasten in den Händen.

Insgesamt also ein Kurs mit Happy End: die Teilnehmer haben die Fräse mit ihren Möglichkeiten kennen gelernt, ich habe vier Hobbybastler aus meiner Nachbarschaft kennen gelernt, und als Kursleiter weiß ich jetzt, dass das Kursformat wie geplant funktioniert. Die nächsten Kurse in anderen Münchner Nachbarschaftswerkstätten können also kommen!